Das bekannteste Bild der Renaissance

Mal_Re

Sandro Botticelli (1444/45 – 1510)

Der Frühling (Primavera), 1482. Öl auf Holz, 203 × 314 cm, Florenz, Galerie der Uffizien.

 

Mit der Renaissance verbindet man schnell Italien, insbesondere die Region Toskana mit dem kulturellen Zentrum Florenz kommt Vielen in den Sinn.

Eines der bekanntesten Werke jener Zeitspanne möchte ich vorstellen – Der Frühling (Primavera) von Sandro Botticelli, der heute in den Uffizien zu sehen ist.

Zuerst befand sich das Gemälde um ca. 1498 im Palast Via Larga einem Adligen der Familie Medici. Mitte des 16. Jh. berichtet uns der Kunstkenner Giorgio Vasari, dass das Werk in der Villa Medici von Castello hängt. Vasari gab dem Werk den Namen: Venus, die von den Grazien mit Frühlingsblumen bekränzt wird.

Die komplexe Bildsprache führt zu einer Aussage, deren genaue Botschaft bis heute umstritten ist. Die Inspiration für sein Werk nahm Botticelli sicher aus Texten von Ovids, Lukrezius und Angelo Polizianos.

Die wichtigsten Personen auf diesem Werk möchte ich kurz vorstellen: Botticelli entführt den Betrachter in einen Garten mit bekränzten Grazien, die sich deutlich voneinander unterscheiden und verschiedene Botschaften senden.

Wenn wir den Blick von rechts nach links gleiten lassen, erscheint aus dem dunklen Hintergrund ein Geist/Genius und packt eine Grazie, die sich zu ihm umschaut und dabei gleichzeitig wegzurennen scheint. Dieser Geist stellt den Wind Zephir dar, welcher mit aufgeblasenen Backen die Grazie verfolgt und packt. Diese Grazie stellt die Nymphe Chloris dar, welcher in diesem Moment die Gabe verliehen wird, Blumen aus dem Mund sprießen zu lassen. Gleich links von ihr steht eine lächelnde Figur im Blumenkleid, die in sich ausgeglichen und selbstbewusst wirkt. Dabei handelt es sich auch um Chloris, jedoch hat sie sich jetzt in Flora verwandelt, die römische Frühlingsgöttin. Das Zentrum des Bildes, bildet die weibliche Figur in der Mitte, welche vermutlich Venus darstellt. Über ihr fliegt der blinde Gott der Liebe mit Pfeil und Bogen. Rechts neben der Venus reichen sich drei miteinander verschlungene Grazien im Tanz die Hände. Sie verkörpern das antike Bild der Liberalität, welches im Allgemeinen mit den Attributen Toleranz, Nachsicht und Duldsamkeit zu verbinden ist. Ganz rechts sehen wir einen jungen Mann mit Hut, Schwert und geflügelten Schuhen, der mit einem Stock/Schlangenstab die letzten Wolken vertreibt. Dieser junge Mann ist sicher Merkur und versinnbildlicht die Erkenntnis.

Das vorgestellte Werk Primavera wurde immer wieder unterschiedlich in der Kunstgeschichte interpretiert. Botticellis Botschaft wurde regelmäßig aufs Neue hinterfragt. Sie könnte z. B. den Frühling versinnbildlichen, jene Jahreszeit in der die unsichtbaren Kräfte der Natur Gestalt annehmen und alles zum wachsen und blühen bringen. Neben diesem Aspekt wird das Werk auch gern mit der Hochzeit von Botticellis Freund Lorenzo di Pierfrancesco de Medici mit Semiramide Appiani in Zusammenhang gebracht, welche auf diese Weise verherrlicht werden solle. Eine jüngere Interpretation sieht im Werk eine metaphorische Verherrlichung der freien Künste.

Allein an diesen Beispielen kann man gut erahnen, wie komplex Bildinterpretationen werden können. Dies kann dazu führen, dass Bilder noch spannender werden und viele neue interessante Fragen aufwerfen. Sie können aber auch dazu führen, den eigentlichen Blick auf das Werk zu verstellen. Gerade dieses Werk besitzt die Magie, den Betrachter in seinen Bann zu ziehen, ohne, dass man die Grazien und ihre Bedeutung kennt. Diese besondere Bildsprache steht für Botticelli und sein ganz eigenes Geheimnis, welches er mit uns über Generationen teilt.

Weiterführende Literatur:

Deimling, Barbara: Sandro Botticelli. 144/45 – 1510, Köln 20105.

Zöllner, Frank: Sandro Botticelli, München 2005.

 

Pünktchen, Pünktchen

PunktPunktGeorges Seurat (1884 – 1886), Ein Sonntag auf La Grande, 1884-86, Öl auf Leinwand – Begründer des Pointillismus.

 

In den Jahren 1884-1886 schuf Georges Seurat das berühmte Werk Ein Sonntag auf La Grande Jatte.

Nun klingt der Titel nicht unbedingt spektakulär, denn Sonntagsausflüge waren und sind nicht ungewöhnlich – gerade bei schönem Wetter. Dennoch lässt einen dieses Werk nicht los – das Thema mag recht gewöhnlich sein, seine Umsetzung ist das ganze Gegenteil davon.

Der erste Eindruck ist so ungewöhnlich, dass er erst einmal für Verwunderung beim Betrachter sorgt. Dies liegt am Stil des Pointillismus, den Seurat begründete hat. Mit vielen kleinen Farbpunkten unterteilte er geschickt die unterschiedlichen Farb- bzw. Lichtwirkungen. Erst aus der Ferne ergeben diese miteinander verschmolzen die gegenständlichen Darstellungen.

So zeigt Seurat einen Sonntag der 1880 Jahre bei denen Pariser der gehobenen Schicht einen Spaziergang oder Picknick am Flussufer des Grande Jatte verbringen. Er entschied sich dafür nicht den flüchtigen Moment festzuhalten, wie es die Impressionisten gemacht hätten sondern schuf mit seinen vielen Punkten ein formal strenges Gemälde mit einer durch konzipierten Komposition und geometrischen Formen.

Im Werk ist eine Vielzahl von Menschen zu sehen. Dabei stellen die einzelnen Menschen weniger ein Individuum dar als vielmehr eine stereotypische Gestalt.

Die Frau im Vordergrund rechts wird von Tieren begleitet. Tiere haben schon immer in der Kunstgeschichte ihre ganz besondere Bedeutung, so auch hier. Der Affe symbolisiert, dass die Frau eine gewisse Laszivität oder auch lockere Moral hat.

Wie immer möchte ich auch hier auf tiefgreifendere Literatur verweisen, die eine ausführliche Bildbeschreibung beinhalten.

Weiterführende Literatur:

Budde, Rainer: Pointillismus. Auf den Spuren von Georges Seurat, München 1997.

Düchting, Hajo: Georges Seurat. 1859 – 1891. Malerei auf den Punkt gebracht, Köln 1999.

Courthion, Pierre: Georges Seurat, Köln 1991.

 

Künstler des Symbolismus

Arnold_Boecklin_-_Island_of_the_Dead,_Third_Version

Arnold Böcklin (1827- 1901) Die Toteninsel, dritte Version,

1883, Öl auf Leinwand 80 x 150 cm – einer der bedeutendste Künstler des Symbolismus.

 

Arnold Böcklin ist nicht nur ein Künstler über dessen Werke man Stunden lang sprechen könnte sondern auch seine politischen Motive bieten sehr viel Gesprächsstoff

Beginnen möchte ich mit einer kunsthistorischen Einordnung Böcklins. Er gilt im Wesentlichen als Maler des Symbolismus, der mit den naturalistischen Vorstellungen der Impressionisten brach.

Die Motive stammen nicht aus dem Alltagsleben sondern aus fantasievollereren Themenbereichen wie etwa der Mystik.

So beschäftigte sich Böcklin mehrere Jahre mit dem Thema der Toteninsel. Das erste Werk dazu entstand 1880 für eine erst kürzlich verwitwete Frau. Nach diesem Werk schuf er noch vier weitere Fassungen dieses Motivs.

Der heute gebräuchliche Name der Werke stammt vom Kunsthändler Fritz Gurlitt, der Böcklins Bilder verkaufte. Böcklin selbst verzichtete auf starre Titelbezeichnungen seiner Bilder. Er nannte seine Werke z.B. Gräberinsel, die stille Insel oder ein Bild zum träumen.

Gerade der letzte Titel beschreibt die Grundidee des Werkes vielleicht am besten. Der Künstler vermied es, in seinen Darstellungen Objekte eindeutig und konkret abzubilden. Er wollte, dass der Betrachter in seinen Werken selbst einen Sinn entdeckt und sich in diese hineinträumt.

Die Anregungen für das Motiv entnahm Böcklin der klassischen Literatur, z.B. die Person auf dem Boot mit Tüchern verhüllt ist Charon – eine Gestalt der Mythologie. Es handelt sich dabei um den Fährmann, der die Seelen der Toten in den Hades bringt.

Die Vereinnahmung Böcklins für verschiedene politisch geprägte Motive ergab sich aus der Zeitgeschichte. Gegen Ende des 19. Jh. war Böcklin sehr in Mode beim gründerzeitlichen Bürgertum. Dabei ist besonders erstaunlich, dass seine zum Teil exzentrische Farbmalerei bei dem zunehmenden nationalistischen Gedankengut jener Zeit als das Deutsche schlechthin gepriesen wurde. Seine Werke zeigten Phantasie, deutsche Märchenpoesie später kamen noch Konstrukte hinzu wie Weltanschauung, Empfindungen und Ideen. Seine Kunst wurde zu einer durchgeistigten Idealkunst stilisiert, die sich gegen den Impressionismus gestemmt hat, jene Kunstrichtung die sich vermeintlich ausschließlich aus dem Erzfeind Frankreich entwickelt hat.

Nach seinem Tod 1901 wurden seine Werke gar zur rassischen Herleitung im Sinne des wilhelminischen Kulturdenkens missbraucht. Als Abschluss dieser verzerrten Wahrnehmung gesellte sich noch Adolf Hitler als Bewunderer seiner Kunst dazu. Dieser war im Besitz einer Version der Toteninsel.

Aus heutiger Sicht sind diese Interpretationen abwegig, jedoch sind sie typisch dafür wie Kunst politisch instrumentalisiert wurde.

Weiterführende Literatur:

Lichtwark, Alfred: Die Seele und das Kunstwerk. Arnold Böcklin, Hamburg 2013.

Tittel Lutz: Arnold Böcklin. Leben und Werk in Daten und Bildern, Stuttgart 1984.

Burger, Susanne: Arnold Böcklin. 1827 – 1901. Gemälde, Zeichnungen, Plastiken. Ausstellung zum 150. Geburtstag, Basel 1977.

Kunstepochen kurz und knapp

Kunstepochen von Beck Verlag

Einen wirklich guten Überblick über die unterschiedlichen Kunstepochen bieten die kleinen Taschenbücher von C.H. Beck Wissen. Sie liefern einen fundierten Einblick in die jeweiligen Kunstepochen. Im Anhang gibt es weiterführende Literaturhinweise, die für den ambitionierten Leser einige Tage reichen sollten.

Das Angebot reicht von der griechischen Kunst bis hin zum Mittelalter, Barock und der Kunst der Gegenwart, um nur einige Ausgaben zu nennen.

Link zum C.H.Beck Verlag: Geschichte der Kunst in 12 Bänden.

 

Ausstellungstipps

Sie interessieren sich für sehenswerte Kunstausstellungen? Das Angebot ist riesig und die Qualität sehr unterschiedlich. Gute Inspirationen und Tipps finden sie auf den folgenden Webseiten.

 

KulturSPIEGEL – Tageskarte Kunst

Immer dienstags veröffentlicht der Spiegel Online den Kunst-Tipp in der Rubrik Kultur Spiegel. Unter dem Titel: Sieben Tage, sieben Empfehlungen – die wichtigsten Entdeckungen der Woche. Dabei lesen Sie was sie nicht verpassen sollten und was sie ruhig verpassen können.

 

Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Kalender

Auch hier bekommen Sie einen Überblick über aktuelle Ausstellungen in Deutschland. Besonders empfehlenswerte Ausstellungen werden dabei hervorgehoben.

 

Kunstmessen in Europa 2014

Kunstmessen in Europa 2014

 

Januar

Art Fair, LONDON

15. Januar bis 19. Januar 2014

Arte Fiera, Bologna

24. Januar bis 27. Januar 2014

art genève, Genf

30. Januar bis 2. Februar 2014

 

Februar

Arco, Madrid

19. Februar bis 23. Februar 2014

Supermarket, Stockholm

14. Februar bis 16. Februar 2014

Art Innsbruck

20. Februar bis 23. Februar 2014

 

März

art Karlsruhe

13. März bis 16. März 2014

kunSTart 12, Bozen

16. März bis 18. März 2014

Affordable Art Fair, London

13. März bis 16. März 2014

TEFAF, Maastricht

14. März bis 23. März 2014

art paris

27. März bis 30. März 2014

Miart, Mailand

28. März bis 30. März 2014

 

April

i saloni, Mailand

8. April bis 13. April 2014

ARTCOLOGNE, Köln

10. April bis 13. April 2014

ART Brussels, Brüssel

25. April bis 27. April 2014

 

Mai

Art Athina, Athen

15. Mai bis 18. Mai 2014

Art Metz

23. Mai bis 25. Mai 2014

 

Juni

Art Amsterdam

4. Juni bis 9. Juni 2014

SCOPE, Basel

17. Juni bis 22. Juni 2014

ART Basel, Basel

19. Juni bis 22. Juni 2014

VOLTA, Basel

16. Juni bis 21. Juni 2014

liste, Basel

17. Juni bis 22. Juni 2014

 

Juli

Art Bodensee, Dornbirn

11. Juli bis 13. Juli 2014

 

Oktober

Vienna Fair Wien

2. Oktober bis 5. Oktober 2014

Art Show, Zürich

17. Oktober bis 19. Oktober 2014

Frieze Art Fair, London

16. Oktober bis 19. Oktober 2014

ART Zürich, Zürich

17. Oktober bis 19. Oktober 2014

FIAC, Paris

23. Oktober bis 26. Oktober 2014

ART.FAIR, Köln

24. Oktober bis 27. Oktober 2014

BLOOOM. The Creative Industries Art Show, Köln

24. Oktober bis 27. Oktober 2014

 

November

Artissima, Turin

7. November bis 9. November 2014

HIGHLIGHTS, München

7. November bis 12. November 2014

Paris Photo, Paris

13. November bis 16. November 2014

Edinburgh Art Fair

14. November bis 16. November 2014

PAN Amsterdam

23. November bis 30. November 2014

Hier finden sie jede Ausstellung und jedes Museum

Das Ausstellungsangebot ist riesig. Um den Überblick nicht zu verlieren, gibt es inzwischen sehr gute Webseiten, die die Orientierung erleichtern. So können sie nach Belieben Ort, Künstler, Titel und Veranstalter suchen und sind immer darüber informiert, welche aktuellen Kunstereignisse in ihrer Region stattfinden und wohin sich ein Ausflug lohnt.

 

KQ-DAILY

Bei KQ-Daily finden sie nicht nur Kunsttermine sondern auch interessante Informationen zu den Ausstellungshäusern und den dazu gehörigen Begleitkatalogen. Sie können ihre Suchanfragen speichern. Neben aktuellen Informationen können sie bis ins Jahr 1997 zurückgehen. Das ist gerade bei der Katalogsuche sehr hilfreich.

 

kunsttermine.de

Kunsttermine sortiert aktuelle Ausstellungen nach Regionen. Neben dem Webangebot liegt der Fokus klar auf der Printausgabe, in der das Magazin Marktführer ist. Die Ausgaben erscheinen einmal pro Quartal mit mehreren hundert Seiten.

 

museumskalender.de

Bei einem Besuch auf der Webseite Museumskalender.de erschreckt man im ersten Moment. Das Layout ist leider im letzten Jahrzehnt stehen geblieben. Lassen sie sich davon aber nicht abschrecken, die Seite bietet auch heute noch einen guten Überblick über die Museumslandschaft nicht nur in Deutschland. Die Schweiz, Österreich und Lichtenstein sind auch repräsentiert. Bei der Museumssuche können sie auch nach Themen, Schwerpunkten und Sparten suchen.

 

Ach du schöne Adventszeit

Ludwig Richter

Ludwig Richter (1803-1884), Die Mutter am Christabend, Holzstich.

 

Ich habe heute einen Weihnachtsbaum gekauft, aufgestellt und geputzt.  Damit bin ich zwar etwas früh dran, aber mit dem Baum kommt auch die vorweihnachtliche Stimmung. Woher aber kommt dieser Brauch? Der Weihnachtsbaum,  der auch Lichter- oder Christenbaum genannt wird, begleitet uns heute wie selbstverständlich über die Weihnachtszeit bis zum Jahreswechsel.

Die Wurzeln dieses Brauches liegen tatsächlich im Dekorationsgedanken. Die immergrünen Zweige symbolisieren Lebenskraft.  Insbesondere im kalten Winter, in der Zeit wo das Leben und das Überleben des Einzelnen beschwerlicher war als im Sommer, stand der Baum als Hoffnungsträger dafür,  diese Zeit gut zu überstehen.

Bereits im 16. Jh. wurden in Städten am Oberrhein Bäume aufgestellt und gegen Ende des 16. Jh. geschmückt – damals noch ohne Kerzen. Die Funktion des Lichtträgers ist erst einige Zeit später nachweisbar.

Der Brauch breitete sich in den darauf folgenden Jahren vorrangig in den protestantischen Regionen Deutschlands aus. Gegen Ende des 18. Jh. in der Zeit der Romantik fand der Weihnachtsbaum zunehmend auch im katholischen Raum Anklang. Im 19. Jh. pflegten Adel wie Bürgertum überall in den Städten die Ausstellung des Lichterbaums. Damit bahnte er sich seinen Weg in die Kunst, wie auch im oben abgebildeten Holzstich. Erst zum Ende des 19. Jh. zog der Baum aufs Land und mit steigender Auswanderungszahlen auch nach Übersee. Im 20. Jh. wurde der Weihnachtsbaum dann in  Amerika heimisch.

Faszination Tod

TB1

Bilder des Todes  ca. 1523 entworfen um 1525 vollendet von Hans Holbein d. J. (1497/98–1543 ), eine Folge von 41 Zeichnungen bzw. Holzschnitten vom Holzschneider Hans Lützelburger

 

Das Thema Tod beschäftigte bereits viele Generationen von Künstlern und immer wieder wurde er neu interpretiert. Für mich sind die Bilder des Todes eines der spannendsten Themen überhaupt.

Der Totentanz entstand aus einer Dichtung, in der ein Dialog zwischen dem Tod und den Menschen geführt wird. Diese Wechselreden wurden in absteigender Reihenfolge gegliedert – sie begannen  beim Ranghöchsten, dem Papst und endeten mit den Bauern. Die bildliche Darstellung des Totentanzes gibt es seit dem 14. Jh. Sie zeigt die Macht des Todes über das Menschenleben.

Um 1410 entstand in Frankreich in La Chaise Dieu eines der ersten Wandgemälde, das die Thematik des Totentanzes zeigt. Dieser Typus des Wandgemäldes sollte sich daraufhin in weiteren französischen Orten entwickeln, wie in Amiens, Angers, Dijon und Rouen. Im Laufe der Geschichte inspirierte diese Darstellung auch andere Künstler außerhalb  Frankreichs.

TB2

Im deutschsprachigen Raum entstand das Wandgemälde der Lübecker Totentanz von Bernt Notke um 1460. In diesem wird der Tod so dargestellt als wäre er der Menschheit stets auf den Fersen –  eine Darstellungsweise die charakteristisch ist für das Mittelalter. Sie stellt die Religion als geistliches Heilmittel gegenüber dem menschlichen Übermut. Der Tod in Form eines Skelettes und nur mit einem losen Stofffetzen bedeckt, hält jeweils rechts und links eine Person fest. Diese Menschenkette ist der Dichtung entlehnt und hierarchisch geordnet. Während sich die Figuren aufgrund ihrer gesellschaftlichen Ränge im Leben unterscheiden, so sind sie im Angesicht des Todes alle gleich. Der Tod nimmt keine Rücksicht auf Rang oder Stand.

Die Personen auf dem Wandgemälde sprechen den Tod jeweils in Versen an. Dieser antwortet und wendet sich mit dem letzten Vers dem nächsten Tanzpartner zu. Der Tod unterscheidet sich in seiner grotesken fröhlich tanzenden Haltung deutlich von den Menschen, die offensichtlich dazu gezwungen werden zu tanzen. Solche Wandgemälde, wie der Lübecker Totentanz waren im späten Mittelalter im Raum Europa üblich. Sie waren an Kirchhofsmauern und Kreuzgängen zu finden und mehrere Meter lang. Der  Lübecker Totentanz ist etwa 30 Meter lang. Auch in Basel gab es solche Werke, so zum Beispiel die Bildfolge im Klingenthaler Nonnenkloster. Ein Weiteres befand sich an den Kirchhofsmauern des Dominikanerklosters, welches unter dem Namen Tod von Basel bekannt war. Das Kloster lag nicht weit entfernt vom Wohnhaus Holbein des Jüngeren.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass Holbein das Bildthema der Totentanz gut bekannt war. Über die Jahre versuchte er das Thema weiter zu entwickeln und neu zu interpretieren. Er wollte den Tod vermenschlichen, denn klar war, dass alle Menschen egal welchem Stand sie angehörten ihm irgendwann begegneten. Die Deutung des Todes war nicht länger der Kirche vorbehalten – durch Holbein wurde er zum Mainstream wie man heute sagen würde. Dabei verwendet der Künstler nicht den üblichen Reigen sondern untergliedert diesen in einzelne Szenen.

Holbeins Bilder des Todes bestehen aus 41 Zeichnungen, die der Formschneider/Holzschneider Hans Lützelburger bis 1526 geschnitten hat. Der in Lyon tätige Buchdrucker Melchior Trechsel hatte die Stöcke in Basel bestellt, um diese für den Buchdruck verwenden zu können.

Die einzelnen Szenen, die Holbein schuf, sind von einem neuen Geist geprägt. Jede Szene spricht für sich. Die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle. Die Zeichnungen sind von einem kosmopolitischen Verständnis geprägt, welches durch  den  Humanismus und die Reformation  geprägt wurde.

Der Tod erscheint nicht mehr als abstraktes Schema sondern wird individualisiert und mit menschlichen Eigenschaften ausgestattet. Er greift auf unterschiedliche Weise direkt in das Leben ein. Aber auch bei Holbein macht der Tod Unterschiede – er beendet das Leben eines Menschen manchmal brutal, manchmal behutsam.

Die 41 Szenen sind auf einer rechtwinkligen Fläche von je 6,5 x 5 cm Größe zu sehen. Auf dieser kleinen Fläche gelang es Holbein die neuen künstlerischen Mittel einzubeziehen, welche durch die Renaissance nach Basel kamen.

Es entstanden Szenen mit Perspektive und Einbeziehungen des Hintergrundes durch Bauten und Möbel der Renaissance – hinzu kamen Wolken, Bäume und Wellen. Zu einem Mittel der Renaissance griff Holbein jedoch nicht, er verwendete keine antiken Kostümierungen seiner Figuren. Seine Menschen trugen die übliche Kleidung der Zeit. Auch die Naturdarstellungen lassen keine Wüste oder gar Exotik erkennen sondern ausschließlich die Landschaft um Basel. So verwurzelte Holbein die Szenen des Todes in der realen Welt und Zeit ihrer Entstehung.

Die folgenden Beispiele zeigen den fantasievollen Witz Holbeins im Umgang mit dem Thema.

TB3

Der Reichmann muss mit ansehen, wie ihm sein Geld durch den Tod gestohlen wird.

a

a

a

a

a

a

 

TB4Die Nonne wird mehr als Dirne dargestellt, kniend und sich lieber dem Liebhaber hingebend als dem Gebet.

a

a

a

a

a

a

a

TB5In der Szene der Papst sitzt dieser auf einem prunkvollen Sessel und auf dem Baldachin lauert ein Teufel, der die Seele des Papstes haben will. Ein weiterer Teufel hält eine päpstliche Bulle und hinter dem Kardinal grinst der Tod.

In diesen Szenen zeigt Holbein den Wohlhabenden und den Geistlichen stets als jemanden, dem man nicht trauen kann und der deshalb vom Tod zu Recht bestraft wird. Holbein steht mit seinen Szenen als Kritiker gegenüber den Machthabenden und wurde als Solcher auch von den Menschen jener Zeit erkannt.

a

a

TB6Auch die Szene der Kaiser macht dies deutlich. Der Mann mit dem zerbrochenen Schwert ist Kaiser Maximilian I. Statt sich auf die Einigung des Reiches zu konzentrieren, verfolgt er seine eigenen privaten Interessen. Holbein bestärkt mit seiner künstlerischen Aussage die öffentliche Forderung nach einer Reichseinheit.

a

a

a

a

a

TB7TB8Außerhalb der ständischen Darstellungen sind die Szenen friedlicher. Der Tod ist als Freund des Menschen und nicht als dessen Feind dargestellt. Holbein zeigt in den zwei Szenen der Alte Mann und das Alte Weib, wie der Tod den Menschen in einer aufmunternden Haltung begegnet. Mit Musik und ohne Zwang oder Spott werden die Menschen beschützend auf ihrem letzten Weg begleitet.

TB9Auch den Armen ist der Tod behilflich. So wird in der Szene der Ackerman dem Bauern beim Pflügen geholfen, in dem er mit der Peitsche die Pferde antreibt und der Pflug leichter durch das Feld gleitet. Bei dieser Szene zeigt sich auch die Tiefenwirkung der Landschaft einmal mehr sehr deutlich.

Es gelingt Holbein auf engstem Raum eine Fülle von Darstellungen unterzubringen ohne die Hauptakteure in den Hintergrund zu stellen. Jede einzelne Szene wirkt immer wieder individuell und unterscheidet sich grundlegend von den Totentanz Bildern früherer Tage.

a

a

a

Alle 41 Holzschnitte (Link)

Weiterführende Literatur:

Egger, Franz: Basler Totentanz, Basel 20092.

Kaiser, Gert (Hrsg.): Der tanzende Tod. Mittelalterliche Totentänze, Frankfurt a. M.19836.

Pinder, Wilhelm: Holbein der Jüngere und das Ende der Altdeutschen Kunst, Frankfurt 19512.

Der Mythos des Perseus

Piero Andromeda

Piero di Cosimo

Befreiung der Andromeda, ca. 1510-15. Öl auf Holz, 70 x 123 cm, Florenz, Galerie der Uffizien.

Das heutige Werk entführt uns in eine spannende Geschichte, die vom Künstler Piero di Cosimo in einer neuen Kompositionsart interpretiert wurde.

Ursprünglich war das Werk mit dem Hinweis versehen: Piero nach einer Zeichnung von Leonarda. Das heißt wir haben es hier es eigentlich mit einer Komposition von zwei Künstlern zu tun.

Der Mythos des Perseus wird in allen Einzelheiten dargestellt, wie er Andromeda befreit. Dafür muss er das Meeresungeheuer töten, welches deutlich den Mittelpunkt des Werkes dominiert. Links neben diesem ist Andromeda zu sehen, wie sie mit einem roten Strick am Baumstumpf gefesselt steht, hilfesuchend nicht Opfer vom Ungeheuer zu werden.

Um das Zentrum des Werkes erstreckt sich eine deformierte, faszinierende Landschaft mit unrealistischen Hügeln im Hintergrund und den unterschiedlichsten Szenen. Exotische Einzelheiten werden dargestellt, wie die Männer mit Turbanen rechts und links. Zur unteren Bildmitte rechts sind zwei Musiker mit Musikinstrumenten ohne Saiten und Resonanzkörper abgebildet. Es ist eindeutig, dass hier keine Musik erklingen wird.

Die genaue Entstehungszeit des Werkes ist umstritten. Es gibt die Theorie, dass dieses Werk in seinen szenischen Entwurf von einem florentinischen Karnevalsspektakel 1513 inspiriert wurde. Genau in diesem Jahr erlangten die Medici wieder die Macht in Florenz. Der neu austreibende Baumstumpf im mittleren unteren Bild deutet dies an. Er steht als das Medici Symbol des broncone, einen grünen jungen Zweig, der kraftvoll austreibt.

Aus einer jüngeren Studie stammt eine andere Theorie, in der Giorgio Vasari im 16. Jh. behauptete, dass dieses Werk bereits 1510 entstanden sein muss und wenig mit dem Medici zu tun habe. Es wurde für einen Strozzi, Filippo dem Jüngeren gemalt. Dieser habe Cosimo im Jahre 1510 für eine Arbeit in seinen privaten Gemächern bezahlt. Welche Arbeit genau damit gemeint war, bleibt uns Vasari schuldig. So dürfen wir weiter auf neue Theorien gespannt sein.

 

Weiterführende Literatur:

Geronimus, Dennis: Piero Di Cosimo. Visions Beautiful and Strange, Yale 2006.