Das bekannteste Bild der Renaissance

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Sandro Botticelli (1444/45 – 1510)

Der Frühling (Primavera), 1482. Öl auf Holz, 203 × 314 cm, Florenz, Galerie der Uffizien.

 

Mit der Renaissance verbindet man schnell Italien, insbesondere die Region Toskana mit dem kulturellen Zentrum Florenz kommt Vielen in den Sinn.

Eines der bekanntesten Werke jener Zeitspanne möchte ich vorstellen – Der Frühling (Primavera) von Sandro Botticelli, der heute in den Uffizien zu sehen ist.

Zuerst befand sich das Gemälde um ca. 1498 im Palast Via Larga einem Adligen der Familie Medici. Mitte des 16. Jh. berichtet uns der Kunstkenner Giorgio Vasari, dass das Werk in der Villa Medici von Castello hängt. Vasari gab dem Werk den Namen: Venus, die von den Grazien mit Frühlingsblumen bekränzt wird.

Die komplexe Bildsprache führt zu einer Aussage, deren genaue Botschaft bis heute umstritten ist. Die Inspiration für sein Werk nahm Botticelli sicher aus Texten von Ovids, Lukrezius und Angelo Polizianos.

Die wichtigsten Personen auf diesem Werk möchte ich kurz vorstellen: Botticelli entführt den Betrachter in einen Garten mit bekränzten Grazien, die sich deutlich voneinander unterscheiden und verschiedene Botschaften senden.

Wenn wir den Blick von rechts nach links gleiten lassen, erscheint aus dem dunklen Hintergrund ein Geist/Genius und packt eine Grazie, die sich zu ihm umschaut und dabei gleichzeitig wegzurennen scheint. Dieser Geist stellt den Wind Zephir dar, welcher mit aufgeblasenen Backen die Grazie verfolgt und packt. Diese Grazie stellt die Nymphe Chloris dar, welcher in diesem Moment die Gabe verliehen wird, Blumen aus dem Mund sprießen zu lassen. Gleich links von ihr steht eine lächelnde Figur im Blumenkleid, die in sich ausgeglichen und selbstbewusst wirkt. Dabei handelt es sich auch um Chloris, jedoch hat sie sich jetzt in Flora verwandelt, die römische Frühlingsgöttin. Das Zentrum des Bildes, bildet die weibliche Figur in der Mitte, welche vermutlich Venus darstellt. Über ihr fliegt der blinde Gott der Liebe mit Pfeil und Bogen. Rechts neben der Venus reichen sich drei miteinander verschlungene Grazien im Tanz die Hände. Sie verkörpern das antike Bild der Liberalität, welches im Allgemeinen mit den Attributen Toleranz, Nachsicht und Duldsamkeit zu verbinden ist. Ganz rechts sehen wir einen jungen Mann mit Hut, Schwert und geflügelten Schuhen, der mit einem Stock/Schlangenstab die letzten Wolken vertreibt. Dieser junge Mann ist sicher Merkur und versinnbildlicht die Erkenntnis.

Das vorgestellte Werk Primavera wurde immer wieder unterschiedlich in der Kunstgeschichte interpretiert. Botticellis Botschaft wurde regelmäßig aufs Neue hinterfragt. Sie könnte z. B. den Frühling versinnbildlichen, jene Jahreszeit in der die unsichtbaren Kräfte der Natur Gestalt annehmen und alles zum wachsen und blühen bringen. Neben diesem Aspekt wird das Werk auch gern mit der Hochzeit von Botticellis Freund Lorenzo di Pierfrancesco de Medici mit Semiramide Appiani in Zusammenhang gebracht, welche auf diese Weise verherrlicht werden solle. Eine jüngere Interpretation sieht im Werk eine metaphorische Verherrlichung der freien Künste.

Allein an diesen Beispielen kann man gut erahnen, wie komplex Bildinterpretationen werden können. Dies kann dazu führen, dass Bilder noch spannender werden und viele neue interessante Fragen aufwerfen. Sie können aber auch dazu führen, den eigentlichen Blick auf das Werk zu verstellen. Gerade dieses Werk besitzt die Magie, den Betrachter in seinen Bann zu ziehen, ohne, dass man die Grazien und ihre Bedeutung kennt. Diese besondere Bildsprache steht für Botticelli und sein ganz eigenes Geheimnis, welches er mit uns über Generationen teilt.

Weiterführende Literatur:

Deimling, Barbara: Sandro Botticelli. 144/45 – 1510, Köln 20105.

Zöllner, Frank: Sandro Botticelli, München 2005.