Die Dame auf dem Récamier

François_Pascal_Simon_Gérard

Die Dame auf dem Récamier,

Francois Gérard,

Madame Récamier, 1805. Öl auf Leinwand, 225 x 145 cm, Paris, Musée Carnavalet.

 

Der Künstler Francois Gérard rückt das Ganzportrait der Dame auf dem Récamier/ Empiresessel in eine kostbare und reich ausgestattete Architekturkulisse im klassizistischen Stil. Im Hintergrund auf der rechten Seite zeichnet sich eine Säulenhalle ab. Gleich daneben führt unter dem Rundbogen ein Ausgang zum Garten. Dieser ist mit einem roten Tuch fast vollständig verhängt. Dass Tuch bildet einen farblichen Kontrast zum Hauptmotiv des Werkes, zur Dame mit dem Namen Juliette. Juliette sitzt auf einem weichen, gepolsterten Empiresessel, gerade so als hätte sie der Wind  wie eine Feder hingeweht. Auch ihre Kleidung versprüht eine sommerliche erotische Leichtigkeit. Dabei trägt sie ein kurzärmliges Musselinkleid mit verführerischem Dekolleté und nackter Schulter. Ihre linke Schulter ist leicht bedeckt mit einem gold leuchtendem Seidenschal, der sich über ihren Rücken hinweg zu den Oberschenkeln bis hin zum Boden erstreckt. Unter dem Saum des Sommerkleides zeigen sich kokett ihre nackten Füße.

Juliettes Körperhaltung schwankt zwischen einer kraftvollen Haltung und einem lasziven, sich fallen lassen. Dabei neigt sie leicht ihren Kopf und schaut den Betrachter mit ihren dunklen Augen tief, nachdenklich und freundlich an. Sie erscheint wie eine Verlockung, die offensiv und schüchtern zugleich ist. Diese Balance der Kräfte, austariert wie auf einer Waage sind das Erfolgsgeheimnis des Werkes. Sie ziehen den Betrachter in ein Spannungsfeld, mit welchem dem Künstler Francois Gérard  eine großartige schöpferische Leistung gelang.

Dieses Grundmotiv erfreute sich weiterer Jahre einer großen Beliebtheit. Reichgewordene Bürgerinnen und Adlige ließen sich porträtieren, um ihre geschmackvollen Salons zu dekorieren. Dabei waren die unterschiedlichen Künstler stets bestrebt die Damen verlockend und keusch zugleich erscheinen zu lassen. So wurden ihre Körper zu einem entsexualisierten, unerreichbaren Traum verwandelt. Die Dame stellt damit ein unerfüllbares Versprechen dar, welches Begehrlichkeiten und Sehnsüchte erweckt. Würde sie dieses Versprechen jedoch einlösen, wäre sie keine Dame mehr. Diese Spannung zu verkörpern, ist die hohe Kunst der Damen jener Zeitvorstellung. Darin wie gut sie diese Kunst beherrschten, ließ sich eine Dame in der gehobenen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts beurteilen.

 

Weiterführende Literatur:

Felbinger, Udo: François Gérard und das französische Porträt. 1795 – 1815, 1999 Berlin.

Roters, Eberhard: Malerei des 19. Jahrhunderts. Themen und Motive, Bd. 2, 1998 Köln.