Kunstepochen kurz und knapp

Kunstepochen von Beck Verlag

Einen wirklich guten Überblick über die unterschiedlichen Kunstepochen bieten die kleinen Taschenbücher von C.H. Beck Wissen. Sie liefern einen fundierten Einblick in die jeweiligen Kunstepochen. Im Anhang gibt es weiterführende Literaturhinweise, die für den ambitionierten Leser einige Tage reichen sollten.

Das Angebot reicht von der griechischen Kunst bis hin zum Mittelalter, Barock und der Kunst der Gegenwart, um nur einige Ausgaben zu nennen.

Link zum C.H.Beck Verlag: Geschichte der Kunst in 12 Bänden.

 

Romantik – Epoche

Mal_RomJohan Christian Dahls, Swinemünde bei Mondschein,1840

 

Mit dem Wort Romantik verbindet man heute schöne Stunden bei einem Sonnenuntergang oder ein romantisches Abendessen mit der Partnerin. Als romantisch gelten Liebesfilme, Liebesromane und Palmenstrände mit Meeresrauschen im Hintergrund.

Aber für was steht die Romantik im kunstgeschichtlichen Sinn?

Sie steht für eine kulturgeschichtliche Epoche, deren Zeitspanne mit dem Ende des 18. Jahrhunderts beginnt und weit bis ins 19. Jahrhundert hinein reicht. Sie erstreckt sich über verschiedene Gebiete wie der bildenden Kunst, Musik und Literatur.

Seinen Ursprung begründet der Begriff Romantik in der Literatur im 17. Jahrhundert, er leitete sich vom altfranzösischen romanz ab, aus dem dann der Roman wird. Unter dieser Literaturgattung ist zunächst eine Dichtung in der Landesprache zu verstehen, die sich vom üblichen Gelehrtenlatein der Bücher unterschied. Aus den Dichtungen wurden Erzählungen von Geschichten voller Fantasie, Träumen und Liebe.

Daneben wurde das Wort Roman/Romantik in seiner Bedeutung weiterentwickelt. So stand es zum Beispiel für wilde unberührte Natur oder für gruselige Horrorgeschichten im 18. Jahrhundert. Erst der französische Philosoph Rousseau (1712-1778) gab dem Begriff eine weitere neue Bedeutung. Er verband die landschaftliche Wahrnehmung mit seelischen Qualitäten. Um ca. 1800 entstand zunächst in Deutschland eine Bewegung von Literaten, Künstlern und Philosophen die unter dem Begriff bzw. Stichwort des Romantischen ein neues Weltbild anstrebten. Diese romantische Generation empfand eine tiefe Kluft zwischen der Welt der Gefühle und Ästhetik und der Welt der Vernunft und Rationalität. Sie sehnten sich nach einer Heilung, in dem sie Gegensätze zusammenführten zu einem harmonischen Ganzen. Inspiration für diese Heilung fand man in einer weit zurückliegenden Epoche, dem Mittelalter. Man bediente sich Mythen, Märschen und Sagen. Auch besondere Orte wie mittelalterliche Klöster, Kirchen und Ruinen wurden künstlerisch und literarisch beschworen.

Mit dem neuen Weltbild veränderte sich auch die ästhetische Bewertung. Zunehmend wurde die klassizistische Kunst abgelehnt, deren Wesen eine feste Ordnung innewohnt. Man entwickelte eine Vorliebe für individuelle Gefühle des Betrachters und des Künstlers, die alle vorigen Regeln sprengte. Dabei standen nicht mehr Normen und Maße im Vordergrund sondern die schöpferische Experimentierlust. So entwickelte sich die Romantik zu einer vielseitigen Kunstrichtung. Sie reicht von der unheimlichen, dunklen und schwarzen Seite bis hin zur freundlichen Bewunderung der Natur und der Menschen. Stimmungsvolle Landschaften mit Betonung von Licht und Farben dienten nicht mehr primär der Darstellung der sichtbaren Wirklichkeit sondern der geistigen  Fantasie des Künstlers und des Betrachters.

Klassizismus – Epoche

Arch_KlKlassizismus ist Stil und Epoche zwischen  ca. 1750 und 1840. Diese Epoche zeichnet sich durch typische künstlerische Ausdrucksformen in der Architektur aus wie:  Zylinder, Kugel, Kreis und Kubus. Diese klaren geometrischen Grundformen stehen im Zeichen eines kritischen Rationalismus und der Rückbesinnung auf die Antike. Es entstanden neue Leitbegriffe wie Symmetrie und Harmonie. Mit dem Durchbruch des Klassizismus in der Kunst löste dieser die barocke Formsprache ab. Eine natürliche Daseinsform wurde angestrebt und der Geist der Aufklärung wurde als freiheitliche Alternative gesehen gegenüber dem rigiden Herrschaftssystem des Absolutismus und der damit verbundenen höfischen Kultur des Barocks und Rokoko.

Als Inspiration galt die Rezeption antiker Vorbilder, wie in Rom erhaltene architektonische Relikte, das Pantheon oder die Laokoon Gruppe. Einen weiteren Schub erzeugten Ausgrabungen mit neuer wissenschaftlicher Akribie in Pompeji in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.  Ganz Europa folgte dieser Entwicklung mit großem Interesse, was auch dem deutschen Archäologen Johann Joachim Winkelmann zu verdanken war. Dieser veröffentlichte 1755 seine Abhandlung mit dem Titel: Gedanken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlerei und Bildhauer-Kunst.

Es blieb  nicht bei einer Bewunderung der antiken Kunstwerke vor Ort.  Zunehmend ging man dazu über einzelne Kunstwerke direkt zu überführen. So wie zum Beispiel 1806 organisierte Lord Elgin die Ausfuhr einzelner Skulpturen aus dem Pantheon Tempel auf der Athener Akropolis direkt nach London.

Renaissance – Epoche

Mal_ReDie Renaissance ist eine strahlende Epoche in der Kunst und Kultur, denn zu dieser Zeit entwickelten sich zahlreiche neue kreative Ansätze, in einer Dichte, wie es sie seit der Antike nicht mehr gab. Bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts interessierten sich Dichter und Denker des Humanismus für antike Schriften und Kunstwerke. Sie studierten diese und versuchten sie nachzuahmen oder gar weiterzuentwickeln. Dabei zeichneten sie ein neues Menschenbild, welches sich grundlegend von dem des Mittelalters unterschied.

Der Mensch wurde nicht mehr primär als Sünder im christlichen Kontext betrachtet sondern als ein Wesen mit eigener Kraft und eigenem Bewusstsein und damit auch einer individuellen Würde. Mit der veränderten Bedeutung des Menschen in der Welt entstand auch ein neues Bewusstsein für Zeit und Raum. Man beruft sich in der Renaissance auf die Natur und auf die neuen wissenschaftlichen Methoden und nicht mehr nur auf die Theologie und die Bibel. Als Orientierung dienten die Maßgaben der antiken Literatur und des archäologischen Erbes, welches beispielweise in den Ruinen Roms präsent war. Diese gesammelten Eindrücke begeisterten die Künstler für die Wiedergabe der Natur und die Würdigung des menschlichen Wesens und Körpers.

Dieser neuen Natürlichkeit folgte die Verweltlichung (Säkularisierung) der Kunst, wobei nicht das Ende der sakralen Kunst gemeint ist. Neben Händlerfamilien und Fürsten blieb die Kirche auch in der Renaissance der bedeutendeste Auftraggeber. Die religiösen Themen des Mittelalters  erhielten  ein neues Profil.

Mit der Kunst veränderte sich auch die öffentliche Wahrnehmung des Künstlers und dessen Stellenwert. Die Künstler erhielten so viele Aufträge wie nie zuvor. Zeitgleich stieg das Interesse an der Persönlichkeit des Künstlers, ein großer Unterschied im Vergleich zum Rollenverständnis im Mittelalter als der Künstler noch als Handwerker fungierte, der die Vorgaben der Auftraggeber umsetzte. Durch die Würdigung des Kunstschaffenden entwickelten die Künstler ein neues Selbstbewusstsein und mit der Erhöhung ihres Status wurden sie zu zum Teil zu großen Künstlerpersönlichkeiten in ihrer Zeit stilisiert. Sie hofften mit ihren Werken Unsterblichkeit zu erreichen. Neben den Künstlern profitierten auch die Auftraggeber vom Glanz und der neuen Bedeutung der Kunst, wie etwa die Fürsten von Mantua, Mailand oder Florenz. Einflussreiche Geistliche und wohlhabende Kaufleute gaben sich gerne als Förderer der Künste aus und schmückten sich mit dem Ruhm und Prestige von Werk und Künstler.